Das, aus meiner Sicht wohl schlimmste Thema überhaupt. Ich habe es noch nicht erlebt; auf Hörensagen gebe ich nichts und “Alt werden” kann ich nur an meinen Eltern und mir selbst sehen. Aber auch bei diesem Thema gibt es viele positive Dinge, in der Überzahl aber mehr negative Dinge zu berichten.

Zum “Alt werden” gehört in der Regel eine feste Bindung im zwischenmenschlichen Bereich dazu; also eine Ehe oder eine Lebensabschnittsbegleitung. Über die Jahre hinweg, werden sehr viele Verhaltensregulatoren fest gestampft, die ein Miteinander erleichtern können, aber gegenüber dritten Personen manchmal befremdend wirken können. Jede Beziehung besteht aus Regeln und Riten, die sich über die Jahre sehr fest manifestieren können. Von diesen “lieb gewonnenen Regeln und Riten” will und kann man sich aber auch sehr schlecht lösen. Mag es die offen gelassene Klobrille sein oder die offene Zahnpasta Tube; nicht jeder mag solche Sachen. Vorlieben und eingeschliffenes Verhalten steigert sich bei einigen gerade mit zunehmenden Alter bis hin zum Jähzorn und Egoismus.

Als Generation Kinder ist es da auch schwierig, sich gegen solche Verhaltensformen gegenüber den eigenen Eltern zu wehren. Ist man ja auch mit Respekt gegenüber dem Alter und den Eltern erzogen worden. Respekt und Wertschätzung gegenüber Personen im öffentlichen Leben war einmal, vor nicht allzu langer Zeit noch Gang und Gäbe. Waren Schullehrer und Pfarrer oder Pastoren in der dörflichen Gemeinschaft Respektpersonen, die sich teilweise sogar über das Recht der Eltern erhaben fühlten und sich Befürwortungen in allerlei Hinsicht als Selbstverständlich verstanden hatten. Für einige wurde das unter dem Begriff “Knigge” zusammen gefasst und als Regelwerk der gesellschaftlichen Pflicht in Beton gemeisselt. Ist der “Gruß” bei einer Begegnung auf der Straße oder Rücksichtnahme auf Schwächere der Gesellschaft ein hohes Gut unserer Zivilisation gewesen, verblasst dieses immer mehr. “Catch as catch can” lautet heutzutage die Deviese, oder bessser und in deutsch gesagt; die Starken fressen die Schwachen.

Jede Generation hat auch bestimmte Regeln, die zu bekämpfen oder besser gesagt zu erkämpfen manchmal sehr schwer ist. War es in einer Ehe durchaus richtig und notwendig, ein von der Gesellschaft auferlegtes Rollenverhalten zwischen Mann und und Frau zu zelebrieren, was aber durch unsere Gesellschaft inFrage gestellt wird und teilweise gar nicht mehr gewollt ist. Die Frau als “Heimchen” im Haushalt; Kinder und Haushalt für die allgemein gültigen Regeln vor zu bereiten und der Mann als Beschaffer und Erhalter der Existenz wird immer mehr als Absurdum abgestempelt und verneint. Geht ja auch gar nicht mehr, weil es ja auch immer mehr “Einsiedlerkrebse” in unserer Gesellschaft gibt; sprich eine Hausgemeinschaft im herkömmlichen Sinne kann nicht mehr funktionieren. Arbeit und soziales Leben benötigen Zeit und Pflege. Innerhalb einer Familie wird durch das immer noch perfekt funktionierende Rollenwerk die Eingrenzung hin zum funktionierenden Sklaven der Gesellschaft mannigfaltig gepflegt und gefördert. Die letzten Reste von “sozial und religiös” umfahrend; ist es ja gerne gesehen, wenn das Individuum Mensch in seinen Vorgaben untergeht.

Religion und Gesellschaft haben sich alleine in meiner zurück liegenden Aera so massiv verändert und was, wenn nicht Religion und Gesellschaft sind die Vorgaben allen Seins. Ich alleine kann mir wohl Regeln vorgeben, aber nur in einer Gemeinschaft machen Regeln auch Sinn. Gemeinsamkeiten müssen diskutiert, verglichen und zerredet werden. Gemeinsames Erleben von Veranstaltungen, Vorträgen oder auch musikalische Darbietungen ist inzwischen fast unmöglich geworden. Die Kleinen oder Neuanfänger versuchen händerauffend Plattformen ihrer Existenzberechtigung zu finden, aber der Mammon nimmt schon die ersten Versuche und erstickt alles im Keim.

Meine schönste Zeit in Sachen “Respekt und Rücksicht” war in einer Gruppe, in der man solche Dinge nicht vermuten würde. Ich gehöre keiner religiösen Gemeinschaft an, also macht Euch selbst ein Bild von dieser Gruppierung!

Ist es schön, alt zu werden? Nein, bestimmt nicht. Viele Dinge und Arbeiten gehen einem nicht mehr so leicht von der Hand, wie das in jungen Jahren der Fall war. Man sollte aber auch so fair zu sich und seiner sozialen Umgebung sein, diesen unvermeidlichen Verfall nicht durch “Selbstmitleid” oder “Verärgerungen” zu präsentieren. Es war schon immer so und es wird sich daran auch nichts ändern. Deshalb war der “Generationenvertrag” auch nichts negatives oder verwerfliches. Die Jugend hat die schweren Arbeiten verrichtet und die “Alten” die Beiarbeiten erledigt. War diese Gemeinschaft auch im häuslichen Bereich zu finden. In der Landwirtschaft ging man dann eben auf den “Altenteil”. Ein Umgang voller Respekt und Wertschätzung. Ach ja; Landwirtschaft: Ein typisches Beispiel unseres allgemeinen Verfalls der Gesellschaft. Die zeitintensiven Tätigkeiten wurden dann von den “Alten” erledigt. Schwerere Sachen, wie Holz schleppen für die Beheizung der Wohnung oder das Betreiben des “Küchenherdes” wurde von den kleineren Kindern verlangt. So hatte jeder, egal welcher Altersgruppe er angehörte, seine Pflichten für die “Allgemeinheit” zu erledigen. So ging eben das Miteinander Hand in Hand. Die Alten hatten ihr Wissen und ihre Erfahrung an die Kinder und Jugendlichen weiter gegeben. Hier gilt im Besonderen, es gibt keine Landwirtschaftliche Anwesen mehr. Nur noch Produktionsfabriken. Und Hand auf`s Herz; wer von Euch kann aus Weidenholz oder Haselnuss eine Pfeiffe bauen? Sehr wenige. Es wird ja auch nicht benötigt. Wer kann noch eine Sichel oder Sense schärfen?…

Es wäre, aus meiner Sicht sehr einfach, solche Dinge oder Tätigkeiten an die nächste Generation weiter zu geben. Digitalisierung und das Überangebot im medialen Bereich sind hier aber ein Hemmschuh. Es ist es nicht Wert, über vergangenes zu schreiben oder zu lammetieren, was mich auch dazu motiviert, diesen Artikel als “abgeschlossen” zu betrachten. Es wird niemanden interessieren, was so ein alter Zausel zu Papier bringt. Wenn aber jeder so denken würde; was würde uns alles noch verloren gehen. Kinderlieder; Volkslieder. Tätigkeiten, wie Gartenarbeit oder der Erhalt von Werkzeug ist unnötig, da unsere Wirtschaft nur an der “Neuanschaffung” von Gütern und Artikeln Geld generieren kann. Soziales Verhalten oder Tätigkeiten kosten nur Geld und sind also nicht Systemrelevant.

Wissen ist Macht; nichts wissen macht auch nichts!

Oder doch?

Nicht nur die derzeitige Coronawelle, mit ihren Regelwerken und Bestimmungen trägt bei mir dazu bei, solche Gedanken zu äußern, vielmehr die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls über kurz oder Lang vielleicht selbst in eine Institution namens Altersheim verfrachtet zu werden und dann vor sich hin vegetierend die Tage bis zum Ableben in aller Stille fröhnend; eine Fiktion, die mich erschaudern lässt. Abgestellt in eine Kammer ohne persönlichen Einschlag, kahl und unwirklich aber Geld einbringend bis zum bitteren Ende.

War es die letzte “gute Tat”, die Krankenkassen ihren Beitragszahlern als “Letzten Gruß” eine würdige Beisetzung zu ermöglichen, werden wir gezwungen, für unser Ableben und Entsorgung selbst Rechnung zu tragen.

Man sollte sich schon einmal Gedanken für den Fall der Fälle machen, Familien und deren Verpflichtungen werden immer weniger und der Tod ist das größte Ereignis, um das niemand herum kommen kann.

Und wieder ist das Leben schneller, wie die Auswahl meiner Worte. Habe ich den Beitrag Ende Februar begonnen und schon hat sich so vieles verändert. Der Tod meines Vaters ist nun der nächste Tiefschlag, den ich verarbeiten muss. Aber ich weiss auch schließlich; das Leben ist kein Ponyhof. Die Realität schlägt immer wieder zu. Kurz, schnell und ohne Vorwarnung. Das Wetter macht mir auch ganz schön zu schaffen, aber was soll es; ich bin ja auch schon 63 und habe meinen Körper bestimmt nicht immer vorteilhaft behandelt.

Alle Vor- und Nachteile de Alterns bekomme ich so lebensnah zu spüren. Viele Dinge und Probleme sind eh besser, wenn sie nie in die Öffentlichkeit getragen werden. Selbst alles verarbeiten beinhaltet schon genug Probleme und Schmerzen. Klar, ich weiss es schon. Ein klärendes Gespräch kann bestimmte Ungereimtheiten des Lebens ändern. Menschen zu finden, die aber ähnliches durchstehen müssen, haben kein Schild auf der Stirn, auf der dann drauf steht; ey, ich habe dies oder jenes Problem.

Ich hoffe mal, dieser Artikel wird mit Kommentaren bedacht.

Und nach meinem Ableben wird, wenn es bis dahin noch nichts besseres oder noch zutreffenderes Lied erscheint, dieses Lied gespielt:

Versengend- Haut mir kein’ Stein

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