Es geht gewaltig auf den Herbst zu. Die Blätter verfärben sich und nach und nach sind alle Felder abgeerntet. Der Vorbote des Winters lässt grüßen. Die Temperaturen gehen in den Keller. Zeit, sich daheim nach anderen Tätigkeiten um zu schauen.

fertig

Wie jeden Tag haben wir mit Yoko unsere Dorf- und Feldrunde beendet. Fast kein Pferd mehr auf den Koppeln. Dafür sieht man aber Rehe relativ nahe an den Häusern auf den Feldern nach fressbarem zu suchen.

Urnengrab meines Vaters.

Auch der Tod zeigt sich in seiner unerbittlichen Härte und Ungerechtigkeit. Sei es aus Altersgründen oder Krebs, es ist wichtig, auch Freunde, Bekannte und Verwandte, die bereits von uns gegangen sind zu gedenken. Wir sind nur Gast auf dieser Welt. Wie lange, entscheiden andere Dinge, denen wir nicht aus dem Weg gehen können. Also ist es um so wichtiger, seine Tage zu genießen, so gut es uns eben nur möglich ist. Für das nächste Bild habe ich keine Copyright, aber man sollte mir verzeihen, ich muss das Bild veröffentlichen, da es zwei Gründe beinhaltet, die mir wichtig erscheinen:

Renate Krämer und Duplo
Renate Krämer mit Duplo

Renate kann uns leider nicht mehr auf dieser Welt begegnen, aber wir erinnern uns gerne an sie. Die Unterhaltungen werden mir fehlen. Zum Glück sehen wir Duplo mit einer sehr guten Freundin und den Hinterbliebenen. Gestern hatten wir uns von Renate verabschiedet. Ihr Grab ist auch für uns Hundehalter gut erreichbar. Im Greußenheimer Friedwald. Der ist fußwärts erreichbar. Es war eine große Verabschiedung.

Laßt mich nicht nur den Toten gedenken, auch die Lebenden haben ein Anrecht auf Unterhaltung und Wertschätzung. Bei meinen Spaziergängen treffen wir immer wieder Leute, die man mit einem kurzem Plausch erfreuen kann. Also nicht nur Trauer in meinen Gedanken, sondern auch Frohsinn und gute Laune. Freundlichkeit und Respekt haben noch nie geschadet. In diesem Sinn:

Passt auf Euch auf und freut Euch des Lebens!

Vielleicht noch einen Beitrag, der nicht auf meinem Mist gewachsen ist, lesenswert und interessant auf jeden Fall:


Gedicht von Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945) Dichter, Schriftsteller, Essayist und Musikwissenschaftler.

Einer der Gründer der brasilianischen Moderne.

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Meine Seele hat es eilig.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt,  dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, begann es,  sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen,  bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres  Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.

Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene  Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.

Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süssigkeiten in der Packung. 

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. 

Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. 

Die  sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. 

Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. 

Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. 

Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. 

Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits  gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen  Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

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  1. Ja, und das „ausdünnen“ geht weiter. Unaufhaltsam kommen die Einschüsse immer näher und das unausweichliche Ende wird einem nur noch bewusster. Es vergeht kein Tag, ohne Trauermeldung aus den verschiedensten Regionen dieser Gegend, an der ich als Kind, jugendlicher oder auch als Erwachsener mein Leben genoss. Sei es drum; lasst uns das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist. (geklaut von Juliane Werding)

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